Adrian Zielinski gewinnt mit 186 Relativpunkten den Pokal der Blauen Schwerter 2015

www.habe-web.de/gewichtheben/gewichtheben-2015/bl-schwerter-2015/[31.08.... 07:51:09]

von Hilmar Bürger

Es konnte stimmungsvoller nicht sein, als am Ende des Gewichtheberturniers
um den Pokal der Blauen Schwerter sich Athleten aus Italien, Polen, Belgien,
Finnland, Frankreich und Deutschland, Organisatoren, Offizielle und Sponsoren
gestern Abend auf der Bühne der Meißner Heberhalle zum „Familienbild“ vereinten.
Das vierte Turnier seit dem Neubeginn fand damit ein emotionsgeladenes Ende
mit den bisher besten Leistungen seit 2012.

Es begann und endete mit sehr nachdenklichen Worten. So bat Meißens

Oberbürgermeister Olaf Raschke am Anfang zu einer Gedenkminute für die so

hinterhältige ermordete 17-jährige Annelie aus Sora bei Meißen, an derer Beisetzung

er kurz zuvor teilgenommen hatte. Und so erklärte Beate Preuß, Produktionsleiterin

der Meißner Porzellanmanufaktur, die beide Porzellanvasen mitbrachte:
„Das Turnier hat gezeigt, wie Sportler aus sechs Ländern einen friedlichen Wettkampf
bestreiten und Meißner Zuschauer begeistern können.“

Dazwischen lagen ereignisreiche Heber Stunden, in denen es auch im anderen Sinne
recht familär zuging. Denn am Ende kam es zu einer
Einmaligkeit in der langen
Geschichte des Turniers seit 1971: Zwei Brüder kämpfen unter sich den Pokalsieg aus:
Adrian und Tomasz Zielinski von Tarpan Mrocza in einer Kleinsadt im Norden Polens.
Der eine, Olympiasieger von 2012 und damit große Turnierfavorit, der andere ebenfalls
schon seit Jahren internationale Spitzenklasse. Beide übrigens auch in der vergangenen
Saison in deutschen Bundesligadiensten – Adrian in Chemnitz und Tomasz in Samswegen.

Beide absolvierten fünf gültige Versuche, wobei Tomasz seinen dritten im Stoßen absichtlich
verstreichen ließ, um seinem ein Jahr älteren Bruder noch etwas mehr Zeit zu verschaffen.
Aber auch da war am Ende die Luft raus. Übrig blieb die absolute Klasse- und Bestleistung
von 186.0 Relativpunkten seit 2012, was vom sachkundigen Publikum mit viel Beifall honoriert wurde.
Tomasz Zielinski erzielte 172.0 Zähler und fing dann noch den wesentlich leichteren Italiener
Mirco Scarantino (171.0) ab, der wegen seiner temperament-vollen Darbietungen an diesem Tag
so etwas wie der Publikumsliebling war.

Übrigens hätte schon in der ersten Veranstaltung ein weiterer Pole das Zeug dazu gehabt, in den
Pokalkampf entscheidend eingreifen zu können. Aber Arsen Kasabijew, hatte nur einen einzigen
gültigen Versuch im Reißen. Die Lasten von 170 kg und 220 kg, die er anging, hätten 184.0 Punkte
ergeben können.

Indes, die Freude vom Sieger war natürlich groß. „Es wurde ein guter Wettkampf für mich in
Vorbereitung der Weltmeisterschaften in Houston“, bestätigte Adrian Zielinski. Die Porzellanvase
wird er wie all sein Trophäen zu Hause bei der Mutter abgeben. Was zeigt, dass die Zielinskis
große Familienmenschen sind.

Zum ersten Mal in der Blaue-Schwerter-Family weilte der italienische Präsident der Europäischen
Gewichtheber-Föderation EWF Antonio Urso. Er war einer Einladung von BVDG-Präsident
Dr. Christian Baumgartner gefolgt und zeigte sich sehr beeindruckt. Sein Lob wird auch den
Organisatoren und Sponsoren weiteren Auftrieb geben. Mit großer Freude vernahmen die Meißner,
dass ihr Turnier jetzt zu den
acht traditionsreichsten in Europa zählt, die vom Kontinentalverband
finanziell unterstützt werden.
Der EWF-Präsident überreichte auch
den Siegerpokal für die Frauen. Die kleine Porzellanvase
ging in diesem
Jahr ebenfalls nach Polen, an Joanna Lochowska, die 153.0 Relativpunkte erzielte.
Sie gewann vor der kleinen Sizilianerin Genny Caterina Pagliaro (144.0), im Jugendbereich vor Jahren
erfolgreichste europäische Gewichtheberin, und Aleksandra Klejnowska-Krzywanska
aus Polen,
die bereits 2001 Weltmeisterin war.

Ja, diesmal stand leider kein deutscher Sportler auf dem Podest. Die Nationalmannschaft hatte vor
kurzem in Eisenbach im Schwarzwald einen Testwettkampf ausgetragen. Und so blieb Nationaltrainer
Oliver Caruso mit seinem Kader Meißen fern. Mit seiner Leistung von dort, wäre Almir Velagic als
einziger in Meißen unter die besten Zehn
gekommen. Er oder beispielsweise der zweifache Pokalsieger
Max Lang zählen auch bei den Blauen Schwertern immer zu den Publikumslieblingen.
„Wir hätten uns schon gewünscht, das wenigsten sie hier gestartet wären“, so Jürgen Grellmann, der
Organisationschef des Turniers.

Und so retten andere die Ehre des deutschen Gewichthebens - die beiden TSC Heber Robert Joachim
als Fünfter und Michael Müller
als Elfter und auch der Schwedter Philip Kudzik als Zehnter
sowie bei den Damen die beiden Vater-Schützlinge Tabea Tabel aus Lörrach als
Sechste und
Lisa Marie Schweizer aus Schwedt als Achte.

Nicht zu vergessen der Meißner Lokalmatador Konstantin Förster. Der Kapitän des Bundesligateams
vom AC Meißen hatte mit 103.0 Punkten natürlich keine Chance, vorn mit einzugreifen. Er wartete aber
mit Bestleistungen auf und eins kann ihm keiner nehmen: Er ist der stärkste Steuerberater Deutschlands!

Tom Goegebuer aus Belgien zählt zu den Pechvögeln des Tages. Der Europameister von 2009
verletzte sich beim dritten Versuch im
Reißen. „Wahrscheinlich ein Muskelfaserriss“, vermutete er.
„Schade,
mir hat es hier sehr gut gefallen. Ich möchte nächstes Jahr wiederkommen.
Aber dann als Betreuer. Wir haben in Belgien nämlich eine ziemlich gute Heberin...“

WW